Gallup Engagement Index 2025: Warum Leadership, Future Skills und Lernkultur jetzt entscheiden

Corinna Pommerening » Blog » Future Skills » Gallup Engagement Index 2025: Warum Leadership, Future Skills und Lernkultur jetzt entscheiden

Der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 wurde im März 2026 veröffentlicht – und liefert ein ernüchterndes Bild der Arbeitswelt in Deutschland.

10 Prozent. Das ist alles, was wir hinbekommen.

Was der Gallup Engagement Index 2025 wirklich bedeutet – und warum Leadership, Future Skills und Lernkultur keine Trend-Begriffe sind, sondern die Antwort auf eine stille Krise.

Der Befund: Ein Land im Energiesparmodus

Nur zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden. Das ist das zentrale Ergebnis des Gallup Engagement Index 2025, der im März 2026 veröffentlicht wurde. Zehn Prozent – nach einem historischen Tief von neun Prozent im Vorjahr gilt das schon als Erholung.

Gleichzeitig erfüllen 77 Prozent ihre Aufgaben pflichtbewusst, aber ohne echtes Engagement. Sie tun, was verlangt wird – nicht mehr und nicht weniger. Und 13 Prozent haben innerlich längst gekündigt. Gallup beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden allein durch innere Kündigung auf 119 bis 142 Milliarden Euro jährlich.

  • 10 % der Beschäftigten in Deutschland sind emotional hoch gebunden (Gallup 2025)

  • 77 % arbeiten im „Energiesparmodus“ – pflichtbewusst, aber ohne echtes Engagement (nur „geringes Engagement“)

  • 142 Mrd. € Volkswirtschaftliche Kosten durch innere Kündigung – pro Jahr (Bandbreite: 119–142 Mrd. €)

Was mich an diesen Zahlen besonders bewegt: Sie sind kein Zufriedenheitsproblem. 74 Prozent der Befragten sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Die Vergütung empfinden die meisten als angemessen. Die Arbeitsbedingungen werden positiv bewertet.

Zufriedenheit ist nicht gleich Bindung. Und genau darin liegt das eigentliche Problem.

Wenn Menschen zufrieden, aber nicht gebunden sind, dann ist die Ursache fast immer dieselbe: Führung, die das Potenzial nicht freisetzt. Führung, die informiert, aber nicht inspiriert. Die Aufgaben verteilt, aber keine Richtung gibt. Die verwaltet, statt zu gestalten.

Leadership ist kein Wohlfühlthema – es ist der entscheidende Wettbewerbsfaktor

Gallup formuliert es unmissverständlich: Emotionale Bindung entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gelebte Führungskultur. Sie ist das Resultat wirksamer Führung – oder das Fehlen davon.

Doch was passiert in deutschen Unternehmen tatsächlich? Nur 40 Prozent der Führungskräfte haben im vergangenen Jahr ein Coaching zu ihrer Führungsaufgabe erhalten. Führungskräfte werden befördert, weil sie fachlich überzeugen – nicht, weil sie Menschen führen können. Das ist kein Vorwurf an die Betroffenen. Es ist ein strukturelles Versäumnis.

Dabei zeigen die Daten, was möglich wäre: In Unternehmen, die aktiv an Führungsqualität und Arbeitsumfeld arbeiten, liegt die hohe emotionale Bindung im Durchschnitt bei 40 Prozent – in den besten Unternehmen sogar bei knapp 60 Prozent. Der Unterschied zu den zehn Prozent im Gesamtmarkt ist kein Schicksal. Er ist eine Führungsentscheidung.

Wer emotional gebundene Mitarbeitende hat, profitiert messbar: 41 Prozent weniger Fehltage, deutlich geringere Fluktuation, und 73 Prozent dieser Beschäftigten würden die Produkte ihres Arbeitgebers ohne Einschränkung weiterempfehlen. All das ist nicht Zufall – es ist das Ergebnis von Führung, die wirkt.

Leadership ist kein Soft Skill. Es ist der härteste Wettbewerbsfaktor, den ein Unternehmen besitzt.

Was wirksame Führung konkret bedeutet? Gallup nennt drei Hebel, die sich in meiner Beratungspraxis immer wieder bestätigen: regelmäßiges, hilfreiches Feedback – schon 15 bis 30 Minuten pro Woche können genügen, wenn sie fokussiert genutzt werden. Einen echten Stärkenfokus, der Menschen in dem wachsen lässt, was sie gut können. Und Ermutigung – die Bereitschaft, Mitarbeitende herauszufordern, ohne sie zu überfordern.

Future Skills: Die übersehene Verbindung zwischen Kompetenz und Bindung

Im Gallup-Bericht findet sich eine Zahl, die in der öffentlichen Diskussion kaum Aufmerksamkeit bekommt, aber enorme strategische Bedeutung hat:

20 % der Beschäftigten sagen, ihr Unternehmen bietet gute Weiterbildungsmöglichkeiten für neue Anforderungen – der niedrigste Wert seit Jahren (2021 noch 29 %)

Gleichzeitig nutzen 48 Prozent der Beschäftigten KI bereits regelmäßig – 2023 waren es noch 14 Prozent. Die Technologie ist längst im Arbeitsalltag angekommen. Die Befähigung der Menschen, mit ihr zu arbeiten, hinkt dramatisch hinterher.

Das ist keine Weiterbildungslücke. Das ist eine Führungslücke.

Denn nachhaltige Qualifizierung entsteht nicht durch das Anbieten von Kursen. Sie entsteht dort, wo Menschen erleben: Meine Entwicklung ist meiner Führungskraft wichtig. Ich bekomme Raum, Neues auszuprobieren. Ich habe Orientierung darüber, welche Kompetenzen morgen gefragt sein werden – und werde unterstützt, sie aufzubauen.

Gallup belegt das eindrücklich: Von den Beschäftigten, die sich sehr gut auf die Arbeit mit KI vorbereitet fühlen, nutzen 79 Prozent KI täglich oder mehrmals pro Woche. Von denen, die sich gar nicht vorbereitet fühlen, sind es nur 26 Prozent. Qualifizierung ist also kein Selbstläufer – sie braucht aktive Führung und eine Kultur, die Lernen ermöglicht.

Future Skills – also die Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, mit Wandel, Komplexität und Ungewissheit produktiv umzugehen – sind dabei keine abstrakte Liste von Kompetenzen. Sie sind das Fundament, auf dem Führungskräfte morgen agieren müssen: mit kognitiver Flexibilität, Problemlösungsfähigkeit in unklaren Situationen und der Stärke, Entscheidungen auch unter Druck konsequent umzusetzen.

Wer Future Skills nur als HR-Thema versteht, hat das Problem noch nicht verstanden. Es ist eine strategische Führungsaufgabe.

Lernkultur: Wenn Lernen zur Organisationsfähigkeit wird

Führungsqualität und Future Skills allein reichen nicht aus. Beides entfaltet seine Wirkung nur im richtigen Umfeld – in einer Unternehmenskultur, die Lernen nicht als Kostenfaktor, sondern als strategisches Kapital begreift.

Lernkultur zeigt sich nicht im Weiterbildungsbudget. Sie zeigt sich darin, ob Führungskräfte selbst lernen und das sichtbar machen. Ob Fehler als Lernchance oder als Risiko behandelt werden. Ob Mitarbeitende Klarheit darüber haben, welche Kompetenzen das Unternehmen von ihnen erwartet – heute und in drei Jahren.

Gallup liefert hier einen aufschlussreichen Befund: Mitarbeitende, die sich gut informiert fühlen, sind 3,6-mal häufiger überzeugt, dass das Unternehmen klare Prioritäten setzt – und doppelt so häufig zuversichtlich, dass die Unternehmensführung zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern wird. Kommunikation und Orientierung sind also keine Nebenaufgabe der Führung. Sie sind ihr Kern.

Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten – und Deutschland befindet sich aktuell in einer solchen Phase – neigen Unternehmen dazu, bei Trainings und Entwicklungsbudgets zu sparen. Kurzfristig verständlich. Mittelfristig fatal. Denn wer Führung und Lernen nicht priorisiert, schwächt genau die Ressource, die Transformation erst möglich macht: die Kompetenz und das Engagement der Menschen.

Lernkultur ist kein Wohlfühlprojekt. Sie ist die Infrastruktur für Zukunftsfähigkeit.

Was jetzt zu tun ist – drei Handlungsfelder

1. Führungskräfte systematisch entwickeln. Nicht punktuell, nicht als Reaktion auf Probleme – sondern als kontinuierliche strategische Investition. Coaching, strukturiertes Feedback, Reflexion der eigenen Wirkung. Und den Mut, Führung wirklich als Kernkompetenz zu behandeln.

2. Future Skills konkret machen. Welche Kompetenzen brauchen unsere Führungskräfte und Mitarbeitenden, um in einer Welt mit KI, Strukturwandel und wachsender Komplexität wirksam zu bleiben? Diese Frage muss beantwortet werden – nicht im Abstrakten, sondern bezogen auf das eigene Unternehmen, die eigene Branche, die eigene Situation.

3. Lernkultur als Führungsaufgabe verankern. Weiterbildung ist kein HR-Thema. Sie ist Chefsache. Wer Transformation fordert, muss Lernräume schaffen – durch Zeit, psychologische Sicherheit und das eigene Vorbild.

Fazit: Die Zahlen sind ein Auftrag

Zehn Prozent emotionale Bindung sind keine Naturgewalt. Sie sind das Ergebnis von Prioritäten – oder ihrem Fehlen.

Deutschland hat kein Motivationsproblem, kein Zufriedenheitsproblem, kein Talentproblem. Es hat ein Führungsproblem. Und die Lösung liegt nicht in der nächsten Strategie oder dem nächsten Workshop, der drei Stunden dauert und zwei Wochen wirkt.

Sie liegt in der konsequenten Entscheidung: Wir investieren in die Menschen, die andere Menschen führen. Wir geben ihnen die Kompetenzen, das Feedback und die Kultur, die sie brauchen. Dann können aus zehn Prozent vierzig werden. Nicht als Wunsch – sondern als belegte Möglichkeit.

Die Frage ist nicht: Können wir uns das leisten? Die Frage ist: Können wir uns leisten, es nicht zu tun?

IMPULS-KEYNOTELead the Shift – New Learning & Skill Management“

Sie möchten diese Impulse in Ihr Unternehmen, Ihre Veranstaltung oder Ihr Führungsteam bringen? Ich freue mich auf Ihre Anfrage.

Auf LinkedIn teilen
Auf Xing teilen
Auf Facebook teilen
Auf X teilen
Via WhatsApp teilen
Via E-Mail teilen

Mehr über Corinna Pommerening

Corinna Pommerening ist Bankbetriebswirtin, professionelle Vortragsrednerin und Impulsgeberin, zertifizierte Employer Brand Managerin, Autorin von mehreren Fachbüchern und Podcasterin.

Da Sie "Gallup Engagement Index 2025: Warum Leadership, Future Skills und Lernkultur jetzt entscheiden" gelesen haben, könnten Sie folgende Beiträge ebenso interessieren:

Female Leadership für erfolgreiche Unternehmen: Das Fördern von Diversität in Organisationen trägt dazu bei, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern. Diversität in Führungsteams bedeutet beispielsweise eine Vielfalt an Perspektiven, Erfahrungen, Fähigkeiten und Hintergründen in den Führungsebenen abzubilden. In dem Kontext ist immer häufiger die Abkürzung „DEI“ zu lesen. Diese steht...

Employer Branding Trends zeigen, wie sich Organisationen heute glaubwürdig, attraktiv und wirksam positionieren können. In einer Arbeitswelt, die von Wandel, Werteorientierung und dem Wettbewerb um Talente geprägt ist, braucht Employer Branding mehr als schöne Worte und große Budgets.Es braucht Klarheit, Haltung – und echte Erlebnisse. Employer Branding ist kein Selbstzweck –...

Ein Plädoyer für nachhaltiges Employer Branding: Das Jahresende ist immer eine besondere Zeit: eine Gelegenheit, zurückzublicken, zu reflektieren und neue Ziele für die Zukunft zu setzen. Gerade im Employer Branding bietet 2025 die Chance, neue Impulse zu setzen und Nachhaltigkeit stärker in den Fokus zu rücken. Aber warum sind nachhaltige...

Neue Führungsrollen für eine bessere Arbeitswelt? In unserer Welt, die sich unaufhörlich wandelt und von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (VUKA) geprägt ist, steht das Management vor der Herausforderung, nicht nur zu reagieren, sondern proaktiv zu gestalten und zu führen. Die traditionellen Führungsstile und -ansätze reichen längst nicht mehr aus,...

Vorbestellung